Politische Bildung
(3. September 2012)
Ich bin ein positiv denkender Mensch, und so bin ich zum Beispiel davon überzeugt, dass jeder Mensch morgens aufsteht und GUT sein will. Natürlich will ich nicht leugnen, dass die persönliche Definition von GUT sehr subjektiv ist und sich nicht alle ihr anschließen können, aber ich bin überzeugt, dass der größte Teil der Menschen durch sein Handeln Bestätigung und Anerkennung von ihm/ihr wichtigen Bezugspersonen sucht.
Kinder sind hierum besonders bemüht, weil ihr Leben davon auch in starkem Maß abhängig ist, da geht um kleine „goodies“ zwischendurch, wie Süßigkeiten, ein paar Euro extra oder neue Sport- oder Schulartikel, die zwar völlig überflüssig aber so schön sind. Besonders geht es aber um die Liebe, Zuneigung, Akzeptanz der Eltern, Freunde, Lehrer (die Bedeutung der Gruppen wechselt mit zunehmendem Alter).
So hatte gestern unsere jüngere Tochter (14) keinen guten Start in den Tag. Die Hausaufgaben für ihren Lateinunterricht, die sie – aus gutem Grund – mit einem Nachhilfelehrer gemeinsam überprüft, waren wegen einer Krankheit desselben nicht qualitätsgesichert. Ihre Erfahrung hat sie nun aber gelehrt, dass sie in der Schule mit einer falschen Meldung ihre Note deutlich negativ beeinflusst und sich darum lieber gar nicht meldet. Nachdem der Nachhilfeunterricht die zweite Woche ausfiel und sie sich nun länger nicht mehr wie gewohnt am Unterricht beteiligte, fiel das dem (aufmerksamen) Lehrer auf, der unsere Tochter beiseite nahm und fragte, ob alles in Ordnung sei. Er machte sich offenbar um das Seelenheil unserer Tochter Sorgen, vermutet u. U. häusliche Schwierigkeiten oder Liebeskummer, die wahren Hintergründe konnte B. aber nicht aufklären und so schob sie in der letzten Stunde nebulöse Kopfschmerzen vor, hatte für die Stunde des kommenden Tages aber keine plausible Ausrede parat.
Das zweite Schulfach, das ihr Sorgen bereitete war PoWi (Erläuterung für die nicht von Schule betroffenen: Politik und Wirtschaft). Ihr in diesem Schuljahr neuer Lehrer hat den Schülern die Aufgabe gegeben, sich zu jeder PoWi-Stunde, die einmal wöchentlich stattfindet, vorzubereiten, indem sie vier Nachrichten mit politischer oder wirtschaftlicher Relevanz vortragen und erläutern können. Ich würde sagen, dass wir im Familienkreis nicht ständig politisieren, aber wir haben das Privileg, annähernd jeden Abend gemeinsam zu essen und sprechen über viele, breit gestreute Themen. Unsere ältere Tochter (17) macht im kommenden Jahr Abitur und ist mittlerweile ein anregender Gesprächspartner. So haben wir vor ca. 14 Tagen über Themen der deutschen Politik gesprochen und dabei die scheinbar völlig ahnungslose jüngere Schwester mit einer der einfacheren Fragen konfrontiert: „Wie heißt der aktuelle Bundespräsident?“ Ich will niemanden schockieren, dass die Frage vor den Sommerferien in einem unbedachten Moment noch mit „Frau Merkel“ beantwortet wurde, aber nachdem wir im Februar dieses Jahres genau zu Zeiten des Präsidentenwechsels in Berlin weilten, erinnerte ich sie an unsere kleine Reise. Und so kam es wie es kommen musste: „Herr Wulff“. Auch wenn mein Mann und ich diesen Teilerfolg lobend anmerkten war ihr Hohn und Spott der großen Schwester gewiss. Dass „Herr Gauck“ die richtige Antwort war, wird sie sich hoffentlich als Basiswissen merken (zu hoffen bleibt, dass Herr Gauck uns nun länger erhalten bleibt).
Unsere Tochter hatte zwar die Hausaufgaben insoweit erfüllt, dass wir gemeinsam die Tagesschau angesehen haben, sie sich vier Themen notiert hat, die sie vortragen wollte, aber sich anschließend nicht mehr mit den Inhalten auseinander gesetzt. Bei manchen Themen sind die wenigen Minuten der Tagesschau pro Thema aber nicht ausreichend, um sich Nachfragen stellen zu können und von den ganz großen Themen wie der Euro-Krise und dem Syrien-Konflikt habe ich ihr abgeraten. Themen wie z. B. den Einfluss der Bio-Sprit-Produktion auf die Nahrungsmittelpreise kann sie sich aber selber und damit ihren Mitschülern erklären, wenn sie sich damit noch einmal beschäftigt. Genau dazu fand sie abends keine Zeit / Lust mehr und so ging B. aus dem Haus mit einem unguten Gefühl, die an sich selber gestellten Anforderungen nicht richtig erfüllen zu können und lief mit hängenden Schultern zum Bus.
Ich selber ging ins Büro und werde von den Kindern gelegentlich nach Rückkehr aus der Schule mit Anrufen über die wichtigsten Ereignisse auf dem Laufenden gehalten. Es war gefühlt die erste Handlung der Schülerin, zum Hörer zu greifen und mich anzurufen: die Stimmung war prächtig und zwei Dinge waren passiert:
1. der Lateinlehrer war erkrankt und die Schüler hatten Vertretungsunterricht bei einem anderen Lateinlehrer, der für die Notengebung keine Rolle spielte und
2. der PoWi-Lehrer wurde aus unerklärlichen Gründen getauscht mit einem neuen, jungen, gut aussehenden (?) Lehrer (ich habe nur positive Attribute von B. gehört) der an alle Schüler die Frage stellte, die aus der ganzen Klasse nur unsere Tochter zu beantworten
„Wie heißt der aktuelle Bundespräsident?“
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Hundeliebe
(20. September 2012)
Nachdem ich meine beiden Töchter vorgestellt habe, möchte ich Euch diesmal mit unserem Hund Susi bekannt machen. Ob es sich um einen wirklich ernst zu nehmenden Hund handelt, ist noch nicht ganz ausdiskutiert. Er wurde uns als Jack Russel Terrier anvertraut, hörte aber recht bald auf zu wachsen und entspricht phänotypisch und vom Charakter der jüngeren Tochter, sehr freundlich, neugierig, unruhig, schlank und etwas klein geraten. Tatsächlich wiegt das Hündchen mit annähernd sechs Kilogramm weniger als eine gut genährte Hauskatze.
Die Erziehung des Hundes blieb wie wohl in den meisten Familien an mir hängen und so hat mich Susi fürchten und auch lieben gelernt. Für sie bin ich wohl das erklärte Alphatier ihres Rudels, zu dem sie aufblickt wenn sie vor die Tür möchte, wenn sie hungrig ist und vor allem, wenn sie sich vor etwas fürchtet.
Die ersten Wochen ihres Lebens verbrachte sie bei einem uns furchteinflößenden Metzger, der sie uns mit lückenhaftem Gebiss lächelnd überreichte. Ich dachte in all meiner Naivität, sie hätte in ihrem Leben fortan nichts mehr zu befürchten und also auch vor nichts mehr Angst. Das war aber ein Irrtum, tatsächlich fürchtet sie sich insbesondere vor lauten und plötzlich auftretenden Geräuschen. Solange die Geräuschquellen ihr fern bleiben, ist alles in Ordnung, beispielsweise ist sie Stammgast bei mir im Bad, wenn ich mir die Haare föne. Wenn nun aber der Staubsauger in Betrieb genommen wird, ist es nicht der Motor, der sie zittern lässt, wohl aber der Saugkopf. Ich habe heimlich meinen Mann in Verdacht, der sich einen Spaß daraus macht, Susi zu erschrecken und ihr mit dem Sauger hinterher fährt, wer weiß, ob er nicht mal das kleine Schwänzchen erwischt hat…. Mindestens so schlimm ist das Knallen, das entsteht, wenn man Plastik-Verpackungs-Material zerdrückt und am meisten fürchtet sie sich, wenn es in der Nacht zu gewittern beginnt. Ihr einziger Ausweg zu überleben ist es, solange vor der Tür zu warten und sich zu melden, bis wir Erbarmen haben und sie in unser Schlafzimmer hereinlassen, so dass sie vor meinem Bett schlafen kann. Der Weg in mein Bett ist ihr unter Androhung von Höchststrafen verboten.
In der vergangenen Woche hatten wir nun unser alljährliches Stadtfest, das, wie es mittlerweile inflationär üblich ist, mit einem "phantastischen" Feuerwerk seinen Höhepunkt und sein Ende findet. Mein Mann blieb zuhause und sowohl beide Töchter als auch ich gingen aus. Gar kein Problem, dachte ich, wenn die Knallerei losgeht, findet Susi Streicheleinheiten und Trost bei meinem Mann.
Susi fand auch, wie erwartet, Zuflucht bei meinem Mann, war jedoch irgendwann verschwunden. Mein Mann dachte sich nichts dabei und widmete sich weiter seinem Hobby, dem Gitarrespielen. Tatsächlich suchte Susi mich wohl in größter Verzweiflung und ist durch die angelehnte Tür in unser Schlafzimmer geschlüpft und ließ sich, weil sie mich nicht finden konnte, auf mein, mir heiliges Kopfkissen nieder und hinterließ mir in höchster Angst einen Vertrauens- und Liebesbeweis der besonderen Art:
einen kleinen aber intensiv riechenden Haufen.
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Hallo, Gratulation zum Einstieg in die blogwelt. Mit Freude werde ich deine Geschichten verfolgen , hoffe aber die eine oder andere persönlich erzählt zu bekommen..
AntwortenLöschenDeine Freundin von alpenstrick